Markus Villig: der junge estnische Unternehmer hinter Bolts globaler Mobilitätsrevolution
Mit 19 Jahren gründete Markus Villig Bolt (damals Taxify) mit einem Darlehen von 5000 Euro von seiner Familie und baute das Unternehmen zu einer der weltweit führenden Mobilitätsplattformen aus. Er wurde 1993 auf der Insel Saaremaa geboren und wuchs im gerade unabhängig gewordenen Estland auf, inspiriert vom Technologieboom, zu dem auch die Arbeit seines Bruders Martin bei Skype beitrug. Frustriert von den unzuverlässigen Taxis in Tallinn, entwickelte Markus eine App, rekrutierte persönlich Fahrer und verließ bald die Universität, um das Unternehmen gemeinsam mit Martin und dem Ingenieur Oliver Leisalu in Vollzeit zu leiten.
Von Anfang an unterbot Bolt seine Konkurrenten, indem das Unternehmen den Fahrern niedrigere Provisionen berechnete und den Fahrgästen günstigere Fahrten anbot. Ohne große Finanzierung gelang ihm das Wachstum durch Sparsamkeit, Mundpropaganda und kluge Marktentscheidungen mit Fokus auf kleinere Städte in Europa und unerschlossene Märkte in Afrika, in denen globale Giganten noch nicht vertreten waren. Diese Strategie weckte 2017 das Interesse des chinesischen Unternehmens DiDi Chuxing und 2021 das der US-amerikanischen Firma Sequoia Capital, die beide sowohl Kapital als auch Glaubwürdigkeit einbrachten.

Markus Villig, Gründer von Bolt in Tallinn, mit einem E-Scooter von Bolt. Foto: Krõõt Tarkmeel.
Im Jahr 2019 wurde Taxify zu Bolt und expandierte in die Bereiche E-Scooter, Essenslieferungen, Carsharing und Einkaufslieferungen – mit dem Ziel, eine All-in-One-App für urbane Mobilität zu werden. Villigs Führungsstil blieb praxisorientiert und bodenständig; selbst als CEO befasst er sich mit Produktdetails, stellt Mitarbeiter eher aufgrund ihres Potenzials als aufgrund ihres Prestiges ein und hält den Betrieb schlank. Sein Engagement für Nachhaltigkeit führte zu europaweiten CO₂‑neutralen Fahrten, umweltfreundlicheren Flotten und dem Versprechen, bis 2030 vollständig klimaneutral zu werden.
Die Resilienz von Bolt zeigte sich während der Corona-Krise, als die Einnahmen einbrachen, Villig jedoch Entlassungen vermied, indem er die Gehälter im gesamten Unternehmen kürzte und den Fokus auf Lieferungen verlagerte. Bis Ende 2020 wuchs das Unternehmen wieder und bedient mittlerweile über 100 Millionen Kunden in mehr als 45 Ländern.
Vor kurzem ist Villig zudem in die wachsende estnische Verteidigungstechnologieszene eingestiegen. Zusammen mit seinem Mitbegründer Ragnar Sass startete er die Estonian Defence Meetup-Reihe, um die Energie der Start-up-Branche in den Sektor zu bringen, das Bewusstsein der Investoren zu erhöhen und Innovationen zu unterstützen, die für die Sicherheit Europas von entscheidender Bedeutung sind.
Obwohl Villig der jüngste Selfmade-Milliardär Europas ist, lebt er bescheiden in Tallinn ohne Auto und verkörpert damit Bolts Vision von umweltfreundlicheren Städten – und beweist, dass ein kleines estnisches Start-up die größten Akteure der Welt herausfordern und gewinnen kann.
Video: Kristjan Taal
Konzept „Verwurzelt in Estland“
Markus Villig steht vor der Tallinner Skyline – nicht als Ziellinie, sondern als offener Horizont. Vor ihm liegt die Dynamik eines der am schnellsten wachsenden Technologieunternehmen Europas. Acht Jahrhunderte Stadtgeschichte treffen auf blitzschnelle Entscheidungen der Algorithmen hinter den Fahrdienst-Apps.
Tallinn war schon immer ein Ort der Bewegung. Villigs Vision hat das Fahrzeug modernisiert. Was früher Tage dauerte, dauert jetzt nur noch Minuten. Was einst eine ummauerte Stadt war, ist heute eine Startrampe. Mit Bolt wird Mobilität demokratisch: geteilt, schnell, nachhaltig.
Er navigiert nicht nur durch die Straßen, er erfindet sie neu. In einer Stadt, in der mittelalterliche Mauersteine an Glasfassaden grenzen, beweist Villig, dass Innovation die Geschichte nicht auslöscht – sie beschleunigt sie. Die Vergangenheit schenkte uns Türme. Die Gegenwart? Räder. Die Zukunft? Steht schon in den Startlöchern.
Konzept: AD Angels
Kostüm: Privatkollektion
Styling: Marion Laev
Foto: Krõõt Tarkmeel
Video: Kristjan Taal
Ort: Telliskivi Loomelinnak (Kreativcampus Telliskivi)
Gefördert durch die EU – NexGenEU